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Viagra: wie Sildenafil wirkt und was dafür nötig ist

Der PDE-5-Mechanismus verständlich erklärt: warum die Tablette von sich aus keine Erektion erzeugt, welche Rolle die sexuelle Erregung spielt, wann die Wirkung einsetzt und was sie abschwächt.

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Worum es in diesem Ratgeber geht

Der PDE-5-Mechanismus verständlich erklärt: warum die Tablette von sich aus keine Erektion erzeugt, welche Rolle die sexuelle Erregung spielt, wann die Wirkung einsetzt und was sie abschwächt. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Die Tablette erzeugt keine Erektion

Das ist der Satz, an dem die meisten Missverständnisse über diesen Wirkstoff hängen, und er steht so ähnlich in der Fachinformation selbst: Sildenafil hat an isoliertem menschlichem Schwellkörpergewebe keine direkte entspannende Wirkung, verstärkt aber die entspannende Wirkung von Stickstoffmonoxid auf dieses Gewebe deutlich. Damit der Wirkstoff seine beabsichtigte Wirkung entfalten kann, ist sexuelle Stimulation erforderlich.

Sildenafil ist also kein Schalter, sondern ein Verstärker. Es greift in einen Vorgang ein, der ohnehin abläuft, und hält ihn länger aufrecht. Läuft der Vorgang nicht an, hat der Wirkstoff nichts zu verstärken.

Viagra ist verschreibungspflichtig, und nach Paragraf 10 des Heilmittelwerbegesetzes ist Werbung dafür außerhalb von Fachkreisen nicht zulässig. Diese Seite erklärt deshalb nur das Wirkprinzip. Sie nennt keine Bezugsquelle und keine Dosierungsempfehlung, und der Preis von Viagra steht an anderer Stelle.

Die Kette, in die der Wirkstoff eingreift

Der körperliche Vorgang hinter einer Erektion ist gut beschrieben und läuft in Schritten ab.

Bei sexueller Erregung wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid freigesetzt. Stickstoffmonoxid aktiviert das Enzym Guanylatzyklase. Das lässt die Konzentration von zyklischem Guanosinmonophosphat steigen, abgekürzt cGMP. Dieses cGMP entspannt die glatte Muskulatur im Schwellkörper, sodass Blut einströmen kann.

Der Gegenspieler in diesem System ist ein Enzym namens Phosphodiesterase 5. Es baut cGMP wieder ab und beendet damit den Vorgang. Im Schwellkörper ist genau diese Phosphodiesterase für den Abbau zuständig.

Sildenafil hemmt sie. Ist der Weg über Stickstoffmonoxid und cGMP angestoßen, also bei sexueller Erregung, dann bleibt die cGMP-Konzentration im Schwellkörper unter dem Wirkstoff höher. Die Entspannung hält länger, der Bluteinstrom bleibt bestehen.

Daran wird auch klar, wo der Wirkstoff ansetzt: an der Peripherie, nicht im Kopf. Die Fachinformation beschreibt den Angriffspunkt ausdrücklich als peripher.

Die Wirkkette in fünf Schritten: sexuelle Erregung setzt Stickstoffmonoxid im Schwellkörper frei, dieses aktiviert die Guanylatzyklase, der cGMP-Spiegel steigt, die glatte Muskulatur entspannt sich und Blut strömt ein, die Phosphodiesterase 5 baut cGMP wieder ab, und Sildenafil hemmt diesen Abbau.
Sildenafil greift am letzten Schritt ein. Ohne den ersten Schritt, die sexuelle Erregung, gibt es nichts zu verstärken.

Warum die Wirkung sich selbst begrenzt

Aus diesem Mechanismus folgt eine Eigenschaft, die in der Praxis beruhigend und enttäuschend zugleich ist: Ohne Erregung kein Stickstoffmonoxid, ohne Stickstoffmonoxid kein Anstieg von cGMP, ohne cGMP keine Wirkung.

Der Wirkstoff ist deshalb kein Aphrodisiakum. Auf die Libido, also auf das sexuelle Verlangen, hat er keinen Einfluss. Wer das Verlangen vermisst, hat ein anderes Problem als jemand, der die Erektion nicht halten kann, und die beiden sprechen auf völlig unterschiedliche Dinge an.

Es folgt noch etwas daraus. Berichte, die Tablette habe nichts gebracht, erklären sich häufig nicht aus einer fehlenden Wirkung, sondern aus einer Situation, in der der Weg nie angestoßen wurde. Anspannung, Erwartungsdruck und die Konzentration auf das Ergebnis arbeiten genau gegen den ersten Schritt der Kette.

Wann die Wirkung einsetzt

Die zeitlichen Eckdaten stehen in der Fachinformation. Sildenafil wird schnell aufgenommen; die maximale Plasmakonzentration ist im nüchternen Zustand nach 30 bis 120 Minuten erreicht, im Mittel nach 60 Minuten. Die absolute Bioverfügbarkeit liegt bei 41 Prozent mit einer Spanne von 25 bis 63 Prozent.

Die Fachinformation sieht die Einnahme etwa eine Stunde vor der sexuellen Aktivität vor. Die terminale Halbwertszeit beträgt 3 bis 5 Stunden; das Wirkstoffprofil der Gelben Liste gibt eine Wirkdauer von 4 bis 5 Stunden an.

Die Spanne von 30 bis 120 Minuten ist dabei die eigentliche Information. Sie bedeutet, dass derselbe Wirkstoff bei einem Mann nach einer halben Stunde seinen Höhepunkt erreicht und bei einem anderen erst nach zwei Stunden. Wer nach 30 Minuten zu dem Schluss kommt, es funktioniere nicht, hat möglicherweise nur zu früh geschlossen.

Was die Wirkung abschwächt

Der häufigste Grund ist eine Mahlzeit. Wird Sildenafil mit dem Essen eingenommen, verlangsamt sich die Aufnahme: Die Spitzenkonzentration verschiebt sich im Mittel um 60 Minuten nach hinten und fällt um 29 Prozent niedriger aus. Eine schwere Mahlzeit kurz vor der Einnahme ist damit der einfachste Weg, die Wirkung zu dämpfen.

Der zweite Grund sind Arzneimittel, die den Abbau beschleunigen. Sildenafil wird überwiegend über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Starke Induktoren dieses Enzyms senken den Blutspiegel deutlich. In einer Studie mit Bosentan sank die Gesamtaufnahme um 62,6 Prozent und die Spitzenkonzentration um 55,4 Prozent; für starke Induktoren wie Rifampicin erwartet die Fachinformation noch größere Abnahmen.

Alkohol gehört nach der Fachinformation nicht in diese Reihe, jedenfalls nicht über den Blutdruck: Bei gesunden Freiwilligen mit einem mittleren maximalen Blutalkoholwert von 80 mg/dl verstärkte Sildenafil die blutdrucksenkende Wirkung von Alkohol nicht. Dass Alkohol die Erregung und die Erektion selbst beeinträchtigt, ist eine andere Frage und gut bekannt.

Und schließlich die Ursache. Der Wirkstoff verstärkt einen Gefäßvorgang. Je stärker die Gefäße geschädigt sind, etwa durch Rauchen, Diabetes oder einen unbehandelten Bluthochdruck, desto weniger ist zu verstärken.

Warum Sehveränderungen zum Wirkprinzip gehören

Sildenafil ist für die Phosphodiesterase 5 selektiv, aber nicht ausschließlich. Die Selektivität gegenüber der Phosphodiesterase 6, die an der Lichtverarbeitung in der Netzhaut beteiligt ist, beträgt nur etwa das Zehnfache. Gegenüber der Phosphodiesterase 1 liegt sie bei den maximal empfohlenen Dosen beim Achtzigfachen, gegenüber den übrigen bekannten Phosphodiesterasen beim Siebenhundertfachen und mehr.

Das erklärt, warum Farb- und Helligkeitsveränderungen des Sehens in der Fachinformation unter den häufigen Nebenwirkungen stehen. Sie sind kein Zeichen einer Schädigung, sondern die Kehrseite der Selektivität.

Gegenüber der Phosphodiesterase 3, die an der Herzkraft beteiligt ist, beträgt die Selektivität mehr als das Viertausendfache. Das ist der Grund, warum die unmittelbare Wirkung auf die Herzkraft gering ist, während die blutdrucksenkende Wirkung über den Stickstoffmonoxid-Weg sehr wohl relevant ist.

Was der Mechanismus nicht leistet

Er behandelt nicht die Ursache. Neu aufgetretene Erektionsstörungen sind häufig der erste sichtbare Hinweis auf ein Gefäßrisiko, weil die Arterien im Schwellkörper eng sind und früher reagieren als die Herzkranzgefäße. Die Fachinformation sieht vor der medikamentösen Behandlung Anamnese und körperliche Untersuchung vor, um mögliche zugrunde liegende Ursachen zu bestimmen.

Und der Mechanismus kennt eine Grenze, die absolut ist. Weil Sildenafil über denselben Weg wirkt wie Nitrate, verstärkt es deren blutdrucksenkende Wirkung. Die gleichzeitige Anwendung mit Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren in jeder Form ist deshalb kontraindiziert, ebenso die Anwendung mit Stimulatoren der Guanylatzyklase wie Riociguat.

Ob der Wirkstoff für einen Menschen infrage kommt, in welcher Wirkstärke und in welchem Rhythmus, entscheidet ausschließlich die verordnende Ärztin nach Untersuchung.

Häufige Fragen

Wirkt Viagra auch ohne sexuelle Erregung?

Nein. Die Fachinformation hält ausdrücklich fest, dass sexuelle Stimulation erforderlich ist, damit der Wirkstoff seine beabsichtigte Wirkung entfalten kann. Sildenafil hat an isoliertem Schwellkörpergewebe keine direkte entspannende Wirkung, es verstärkt nur die Wirkung von Stickstoffmonoxid, das bei Erregung freigesetzt wird.

Wie wirkt Sildenafil genau?

Bei Erregung wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid frei, das die Guanylatzyklase aktiviert. Dadurch steigt cGMP, die glatte Muskulatur entspannt sich und Blut strömt ein. Die Phosphodiesterase 5 baut cGMP wieder ab. Sildenafil hemmt dieses Enzym, sodass der cGMP-Spiegel höher bleibt und die Entspannung länger anhält.

Wann setzt die Wirkung ein?

Die maximale Plasmakonzentration ist im nüchternen Zustand nach 30 bis 120 Minuten erreicht, im Mittel nach 60 Minuten. Die Fachinformation sieht die Einnahme etwa eine Stunde vor der sexuellen Aktivität vor. Die Spanne ist groß, bei manchen Männern dauert es deutlich länger als eine halbe Stunde.

Warum wirkt die Tablette nach dem Essen schlechter?

Weil die Aufnahme langsamer ist. Mit einer Mahlzeit verschiebt sich die Spitzenkonzentration im Mittel um 60 Minuten nach hinten, und sie fällt um 29 Prozent niedriger aus.

Steigert Sildenafil die Lust?

Nein. Der Wirkstoff greift an den Blutgefäßen des Schwellkörpers an, nicht am sexuellen Verlangen. Wer vor allem die Libido vermisst, hat ein anderes Problem, das auf andere Dinge anspricht.

Quellen

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Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Potenz-Magazin dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.