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Worum es in diesem Ratgeber geht
Die Nebenwirkungen von Viagra nach den Häufigkeitskategorien der Fachinformation: was sehr häufig, häufig, gelegentlich und selten vorkommt, welche Anzeichen sofort ärztlich abgeklärt werden müssen und warum Nitrate eine absolute Gegenanzeige sind. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.
Woher die Häufigkeitsangaben kommen
Viagra enthält den Wirkstoff Sildenafil und ist verschreibungspflichtig. Nach Paragraf 10 des Heilmittelwerbegesetzes ist Werbung dafür außerhalb von Fachkreisen nicht zulässig. Diese Seite nennt deshalb keine Bezugsquelle und keine Dosierungsempfehlung; sie gibt wieder, was in der Fachinformation steht. Auch der Preis von Viagra gehört nicht hierher, das ist eine eigene Frage.
Das Sicherheitsprofil beruht auf 9.570 Patienten aus 74 doppelblinden, placebokontrollierten Studien. In der Tabelle der Fachinformation stehen die medizinisch wichtigen Nebenwirkungen, die in diesen Studien häufiger als unter Placebo auftraten, dazu Meldungen aus der Überwachung nach der Zulassung.
Die Häufigkeiten folgen den amtlichen Kategorien, und die sind genau definiert: sehr häufig bedeutet mindestens 1 von 10 Behandelten, häufig mindestens 1 von 100 und weniger als 1 von 10, gelegentlich mindestens 1 von 1.000 und weniger als 1 von 100, selten mindestens 1 von 10.000 und weniger als 1 von 1.000.
Ein Punkt wird dabei oft übersehen. Für die Meldungen aus der Zeit nach der Zulassung lassen sich Häufigkeiten nicht zuverlässig bestimmen, weil nicht jede Nebenwirkung gemeldet wird. Diese Einträge sind in der Tabelle eigens gekennzeichnet. Eine seltene Nebenwirkung ist also nicht deshalb selten, weil jemand sie gezählt hätte.
Sehr häufig: eine einzige Nebenwirkung
In der höchsten Häufigkeitsstufe steht genau ein Eintrag: Kopfschmerzen. Mindestens 1 von 10 Behandelten erlebt sie.
Das passt zum Wirkprinzip. Sildenafil wirkt über den Stickstoffmonoxid-Weg und erweitert Blutgefäße, nicht nur im Schwellkörper. Kopfschmerzen, Flush und eine verstopfte Nase sind Ausdruck derselben Gefäßwirkung, die die Erektion unterstützt. Sie waren in den Studien überwiegend leicht ausgeprägt und vorübergehend.
Häufig: was mindestens 1 von 100 betrifft
In dieser Stufe stehen Schwindel, Sehstörungen, Hitzegefühl und Flush, eine verstopfte Nase, Übelkeit und Dyspepsie, also Beschwerden im Oberbauch.
Bei den Sehstörungen lohnt der genaue Blick, weil sie häufig missverstanden werden. Die Fachinformation führt Farbsehstörungen eigens auf, darunter ein Blaustich, ein Grünstich, ein Gelbstich und ein Rotstich, dazu verschwommenes Sehen und eine unspezifisch veränderte Sehwahrnehmung. Gemeint sind umkehrbare Wahrnehmungsveränderungen, nicht eine Schädigung.
Der Grund dafür liegt in der Selektivität des Wirkstoffs. Sildenafil hemmt die Phosphodiesterase 5 nur etwa zehnfach stärker als die Phosphodiesterase 6, und diese ist an der Lichtverarbeitung in der Netzhaut beteiligt. Gegenüber den übrigen bekannten Phosphodiesterasen ist die Selektivität viel größer.
Gelegentlich: zwischen 1 von 1.000 und 1 von 100
Diese Stufe ist die längste. Am Nervensystem nennt die Fachinformation Schläfrigkeit und ein vermindertes Berührungsempfinden, am Ohr Drehschwindel und Ohrgeräusche, am Herzen eine beschleunigte Herzfrequenz und Herzklopfen, an den Gefäßen sowohl erhöhten als auch erniedrigten Blutdruck.
Am Auge kommen Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Lichtblitze, eine gerötete Bindehaut und Störungen der Tränenbildung hinzu. Im Magen-Darm-Bereich stehen Refluxbeschwerden, Erbrechen, Oberbauchschmerzen und Mundtrockenheit, an der Haut ein Ausschlag, am Bewegungsapparat Muskel- und Gliederschmerzen. Außerdem Nasenbluten, ein Druckgefühl in den Nasennebenhöhlen, Blut im Urin, Brustschmerzen, Müdigkeit und ein Wärmegefühl.
Die Liste ist lang, die Einzelwahrscheinlichkeiten sind klein. Für ein Gespräch in der Praxis ist sie vor allem dann nützlich, wenn eine dieser Beschwerden neu auftritt und jemand nicht weiß, ob sie zum Medikament gehören könnte.
Selten: die Einträge, die die Rezeptpflicht erklären
In der seltensten Kategorie stehen die Ereignisse, um die es bei der Verschreibungspflicht geht. Am Nervensystem nennt die Fachinformation Schlaganfall, vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns, Krampfanfälle und Ohnmacht. Am Herzen plötzlichen Herztod, Herzinfarkt, Kammerrhythmusstörungen, Vorhofflimmern und instabile Angina pectoris.
Am Auge steht die nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, abgekürzt NAION, dazu Verschlüsse von Netzhautgefäßen und Netzhautblutungen. Am Ohr Taubheit, in der Gebrauchsinformation als plötzliche Verminderung oder Verlust des Hörvermögens beschrieben.
Zur NAION gibt es zusätzlich eine Meta-Analyse von Beobachtungsstudien. Sie fand über alle PDE-5-Hemmer hinweg kein signifikant erhöhtes Risiko, in den Untergruppen einzelner Wirkstoffe dagegen schon, und ihre Autoren halten ausdrücklich fest, dass sich mögliche Störgrößen in Beobachtungsdaten nicht herausrechnen lassen. Die Zahlen dazu stehen bei den Nebenwirkungen von Sildenafil.
An den Geschlechtsorganen führt die Fachinformation Priapismus auf, also eine schmerzhaft verlängerte Erektion, dazu eine verstärkte Erektion, Penisblutungen und Blut im Samen. An der Haut stehen zwei schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse.
Zu den Herzereignissen hält die Gebrauchsinformation eine Einordnung fest, die man mitlesen sollte: Die meisten, aber nicht alle Männer, bei denen solche Ereignisse auftraten, hatten vorher bereits Herzprobleme. Ob ein Zusammenhang mit dem Arzneimittel besteht, lässt sich daraus nicht bestimmen. Einige der Ereignisse wurden während oder kurz nach dem Geschlechtsverkehr gemeldet, einzelne auch kurz nach der Einnahme ohne sexuelle Aktivität.
Welche Anzeichen den Abbruch bedeuten
Vier Situationen sind in der Fachinformation ausdrücklich mit einer Handlungsanweisung verbunden, und sie sind der wichtigste Teil dieser Seite.
Eine Erektion, die länger als 4 Stunden anhält. Dann ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich. Wird ein Priapismus nicht unverzüglich behandelt, kann Gewebe im Penis geschädigt werden und die Erektionsfähigkeit dauerhaft verloren gehen.
Eine plötzliche Sehstörung oder ein plötzlicher Sehverlust. Die Fachinformation sieht vor, dass die Einnahme in diesem Fall beendet und sofort ein Arzt aufgesucht wird. Wer wegen einer NAION das Sehvermögen auf einem Auge verloren hat, darf Viagra nicht erhalten, unabhängig davon, ob dieses Ereignis mit einem PDE-5-Hemmer zusammenhing.
Eine plötzliche Verminderung oder ein Verlust des Hörvermögens, gegebenenfalls mit Ohrgeräuschen oder Schwindel.
Und Brustschmerzen oder eine Ohnmacht im Zusammenhang mit der Einnahme. Hier gilt zusätzlich: Wer deswegen in Behandlung kommt, muss erwähnen, dass er einen PDE-5-Hemmer eingenommen hat, weil Nitrate in dieser Situation nicht gegeben werden dürfen.
Die Gegenanzeige, um die es wirklich geht
Die Nitrat-Gegenanzeige ist keine Vorsichtsformel, sondern absolut. Sildenafil verstärkt die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten, und die gleichzeitige Anwendung mit Stickstoffmonoxid-Donatoren oder Nitraten in jeder Form ist deshalb kontraindiziert. Betroffen sind nicht nur die bekannten Sprays und Kapseln bei Angina pectoris. Nicorandil zählt wegen seines Nitratanteils ebenfalls dazu.
Ebenfalls kontraindiziert ist die Anwendung zusammen mit Stimulatoren der Guanylatzyklase wie Riociguat, weil sich die blutdrucksenkenden Wirkungen addieren.
Darüber hinaus nennt die Fachinformation weitere Gegenanzeigen: eine schwere Lebereinschränkung, einen Blutdruck unter 90 zu 50 mmHg, einen kürzlich erlittenen Schlaganfall oder Herzinfarkt und bestimmte erbliche Netzhauterkrankungen wie die Retinitis pigmentosa. Außerdem sollen Mittel gegen Erektionsstörungen nicht angewendet werden, wenn sexuelle Aktivität nicht ratsam ist, etwa bei instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzschwäche.
Bei Alphablockern, wie sie bei Prostatabeschwerden und bei Bluthochdruck verordnet werden, besteht keine Gegenanzeige, aber ein Zeitfenster: Ein symptomatischer Blutdruckabfall tritt am ehesten in den ersten 4 Stunden nach der Einnahme auf.
Was sich daraus für das Arztgespräch ergibt
Die Liste der Nebenwirkungen ist lang, ihr praktischer Kern ist kurz. Häufig sind Kopfschmerzen, Flush, eine verstopfte Nase, Schwindel, Magenbeschwerden und vorübergehende Sehveränderungen, und sie waren in den Studien überwiegend leicht und vergänglich. Selten und ernst sind die Ereignisse an Auge, Ohr, Herz und Schwellkörper, und für sie gibt es klare Abbruchzeichen.
Was in dem Gespräch wirklich zählt, ist der vollständige Medikamentenplan, auch rezeptfreie Mittel und Substanzen aus dem Freizeitgebrauch. Nitrathaltige Präparate werden nicht immer als solche erkannt, und genau dort liegt das einzige Risiko, das tödlich verlaufen kann.
Der zweite Punkt betrifft die Ursache. Vor einer medikamentösen Behandlung sieht die Fachinformation Anamnese und körperliche Untersuchung vor, um die Erektionsstörung zu diagnostizieren und mögliche zugrunde liegende Ursachen zu bestimmen. Häufig kommt dabei etwas heraus, das sich behandeln lässt.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Nebenwirkung von Viagra?
Kopfschmerzen. Sie stehen als einziger Eintrag in der Kategorie sehr häufig, betreffen also mindestens 1 von 10 Behandelten. Danach folgen in der Kategorie häufig Schwindel, Sehstörungen, Flush und Hitzegefühl, eine verstopfte Nase, Übelkeit und Oberbauchbeschwerden.
Was bedeuten die Angaben sehr häufig, häufig, gelegentlich und selten?
Es sind amtlich festgelegte Stufen. Sehr häufig heißt mindestens 1 von 10 Behandelten, häufig mindestens 1 von 100 und weniger als 1 von 10, gelegentlich mindestens 1 von 1.000 und weniger als 1 von 100, selten mindestens 1 von 10.000 und weniger als 1 von 1.000. Für Meldungen aus der Zeit nach der Zulassung lässt sich die Häufigkeit nicht zuverlässig bestimmen; diese Einträge sind in der Fachinformation gekennzeichnet.
Wann muss ich die Einnahme abbrechen und zum Arzt?
Bei einer Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, bei einer plötzlichen Sehstörung oder einem Sehverlust, bei einer plötzlichen Verminderung oder einem Verlust des Hörvermögens sowie bei Brustschmerzen oder einer Ohnmacht. Ein unbehandelter Priapismus kann Gewebe schädigen und die Erektionsfähigkeit dauerhaft kosten.
Warum sind Sehstörungen so häufig?
Weil der Wirkstoff die Phosphodiesterase 5 nur etwa zehnfach stärker hemmt als die Phosphodiesterase 6, die an der Lichtverarbeitung in der Netzhaut beteiligt ist. Daraus entstehen vorübergehende Farb- und Helligkeitsveränderungen. Ein plötzlicher Sehverlust gehört nicht dazu, er ist ein Abbruchzeichen.
Warum sind Nitrate eine absolute Gegenanzeige?
Sildenafil verstärkt die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten und Stickstoffmonoxid-Donatoren, die Kombination kann den Blutdruck lebensbedrohlich absenken. Sie ist in jeder Form kontraindiziert, Nicorandil eingeschlossen. Dasselbe gilt für Stimulatoren der Guanylatzyklase wie Riociguat.
Quellen
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