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Worum es in diesem Ratgeber geht
Wer nach einem Testsieger sucht, findet Affiliate-Ranglisten. Ein unabhängiger Test dieser Produktgruppe existiert nicht. Was stattdessen weiterhilft. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.
Das Wichtigste in Kürze
Einen unabhängigen Test von Potenzmitteln, wie ihn Stiftung Warentest für Waschmaschinen oder Sonnencremes durchführt, gibt es nicht. Die Seiten, die von einem Testsieger sprechen, testen nichts.
Der Grund ist strukturell und kein Versäumnis. Die eine Hälfte des Marktes besteht aus verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, für die eine vergleichende Publikumswerbung rechtlich nicht zulässig ist. Die andere Hälfte besteht aus Nahrungsergänzungsmitteln, für die es vor dem Verkauf keinen Wirksamkeitsnachweis braucht und die deshalb kaum vergleichbare Endpunkte haben.
Was bleibt, ist keine Rangliste, sondern eine Reihe prüfbarer Fragen an ein Produkt und an den Anbieter. Diese Fragen stehen weiter unten.
Was ein echter Warentest voraussetzt
Ein Warentest braucht drei Dinge: eine definierte Produktgruppe, ein messbares Prüfkriterium und ein Labor, das es unabhängig misst. Bei einem Fahrradschloss ist das die Aufbruchzeit in Sekunden, bei einer Sonnencreme der gemessene Lichtschutzfaktor.
Bei einem Mittel gegen Erektionsprobleme wäre das Prüfkriterium die Wirkung an Menschen über Wochen. Ein Warentest kann so etwas nicht leisten. Das ist die Aufgabe klinischer Studien, und die laufen vor einer Arzneimittelzulassung, nicht danach im Auftrag einer Verbraucherorganisation.
Für die verschreibungspflichtigen Wirkstoffe existieren diese Studien. Sie sind Teil der Zulassungsunterlagen und in den Bewertungsberichten der Europäischen Arzneimittel-Agentur öffentlich einsehbar. Nur ist das kein Test im Sinne der Suchanfrage, sondern eine behördliche Bewertung, und sie vergleicht die Präparate nicht in einer Rangfolge.
Für die frei verkäuflichen Produkte fehlt diese Grundlage ganz. Nahrungsergänzungsmittel müssen sicher sein, aber sie müssen vor dem Verkauf nicht belegen, dass sie wirken.
Was die Seiten mit dem Wort Testsieger tatsächlich tun
Sie stellen fünf bis zehn Produkte nebeneinander, vergeben Punkte in Kategorien wie Wirkung, Preis-Leistung und Kundenzufriedenheit und setzen eines an die Spitze.
Die Punkte stammen nicht aus einer Messung. Sie stammen aus Herstellerangaben, aus Kundenbewertungen und aus der Einschätzung des Betreibers. Kein Labor war beteiligt, kein Proband hat etwas eingenommen.
Der Platz an der Spitze korreliert auffällig oft mit der Provisionshöhe. Das ist keine Unterstellung, sondern eine Beobachtung, die sich an jeder dieser Seiten nachvollziehen lässt: Der Testsieger führt zu einem Partnerlink, der Letztplatzierte selten.
Nichts davon ist zwangsläufig illegal. Es ist nur keine Prüfung, und das Wort Testsieger legt genau das nahe.
Warum verschreibungspflichtige Präparate hier nicht verglichen werden
Für Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil gibt es Wirksamkeitsdaten aus Zulassungsstudien. Ein öffentlicher Vergleich mit Empfehlung ist trotzdem nicht zulässig.
Das Heilmittelwerbegesetz untersagt in § 10 die Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel außerhalb der Fachkreise. Eine Rangliste mit Kaufempfehlung ist Werbung, unabhängig davon, wie sachlich sie formuliert ist.
Deshalb steht auf dieser Seite keine Reihenfolge. Was hier steht, sind Unterschiede: Wirkeintritt, Wirkdauer, Verhalten zu Mahlzeiten. Diese Unterschiede sind Information, keine Empfehlung, und die Auswahl trifft die Ärztin oder der Arzt.
Eine Seite, die diese Grenze nicht kennt und Ihnen ein verschreibungspflichtiges Präparat als Testsieger anbietet, sagt damit etwas über sich selbst aus.
Warum bei rezeptfreien Mitteln kein Testsieger möglich ist
Die frei verkäufliche Seite dieses Marktes besteht aus L-Arginin, Maca, Ginseng, Tribulus, Zink, Yohimbin-nahen Zubereitungen und Mischungen daraus.
Diese Produkte sind rechtlich Lebensmittel. Sie brauchen keine Wirksamkeitsstudie, und es gibt für sie keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zur Erektionsfähigkeit. Was auf der Packung steht, bewegt sich deshalb im Bereich allgemeiner Formulierungen.
Die Zusammensetzungen unterscheiden sich zudem so stark, dass ein Vergleich keinen gemeinsamen Maßstab hätte. Zwei Präparate mit demselben Namen auf der Vorderseite können auf der Rückseite völlig verschiedene Mengen enthalten.
Die Verbraucherzentrale ordnet die Gruppe seit Jahren gleichlautend ein: kein Wirksamkeitsnachweis erforderlich, uneinheitliche Dosierungen, teils Zutaten mit eigenen Risiken. Genau das macht eine Rangliste unmöglich.
Ein Sonderfall, der eigene Aufmerksamkeit verdient
Immer wieder werden in frei verkäuflichen Potenzprodukten verschreibungspflichtige Wirkstoffe gefunden, die nicht deklariert sind, meist Sildenafil oder verwandte Abwandlungen.
Für den Käufer ist das die gefährlichste Variante. Er nimmt einen Arzneistoff ein, ohne es zu wissen, in unbekannter Menge und ohne dass jemand geprüft hat, ob er Nitrate einnimmt. Die Kombination aus Nitraten und diesen Wirkstoffen kann den Blutdruck bedrohlich senken.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informiert über Arzneimittelfälschungen und nicht deklarierte Wirkstoffe. Wenn ein rezeptfreies Produkt spürbar und schnell wirkt, ist das kein gutes Zeichen, sondern ein Grund zur Vorsicht.
Die Fragen, die eine Rangliste ersetzen
Steht eine vollständige Mengenangabe pro Tagesdosis auf der Packung, nicht nur eine Zutatenliste? Ohne Milligrammangabe lässt sich nichts vergleichen und nichts einordnen.
Steht dort eine Mischung mit einem eigenen Namen statt der Einzelmengen? Dann ist die Zusammensetzung bewusst unklar gehalten.
Wird eine Wirkung versprochen, die für Nahrungsergänzungsmittel gar nicht zulässig wäre? Das ist ein Hinweis auf den Umgang des Anbieters mit Regeln allgemein.
Gibt es einen deutschen Anbieter mit ladungsfähiger Anschrift? Bei einer Reklamation entscheidet das über alles Weitere.
Und die Frage, die den größten Unterschied macht: Wurde die Ursache abgeklärt? Erektionsprobleme sind häufig ein früher Hinweis auf Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen. Wer sie mit einem Präparat überdeckt, verschiebt eine Untersuchung, die etwas Wichtigeres findet.
Was tatsächlich untersucht ist
Für die verschreibungspflichtigen PDE-5-Hemmer liegen Zulassungsstudien vor, und ihre Wirksamkeit bei erektiler Dysfunktion ist belegt. Sie sind rezeptpflichtig, weil vor der Anwendung Herz-Kreislauf-Situation und Begleitmedikation geprüft werden müssen.
Für L-Arginin gibt es kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen, meist in Kombination mit anderen Stoffen und selten mit belastbarer Methodik. Für Ginseng existieren einzelne Untersuchungen mit vorsichtig positiven Signalen und kleiner Teilnehmerzahl. Für Tribulus fehlt beim Menschen ein überzeugender Beleg.
Und der am besten belegte Faktor ist keiner aus dem Regal: Rauchstopp, Bewegung, Gewicht, Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle wirken auf die Gefäße, und die Gefäße sind bei den meisten Betroffenen die Ursache.
Was ein Anbieter davon hat, das nicht zu sagen
Die Rangliste ist ein Format, das Entscheidungen abnimmt. Genau darin liegt ihr Wert für den Betreiber und ihr Problem für den Leser.
Ein Vergleich, der ehrlich mit „das lässt sich nicht ranken" endet, verkauft schlechter als eine Grafik mit Sternen. Deshalb existiert diese Grafik in dieser Produktgruppe so häufig und der ehrliche Satz so selten.
Wer die Wahl zwischen beidem hat, sollte wissen, welche der beiden Darstellungen auf einer Messung beruht. In diesem Markt beruht keine von beiden darauf, und nur eine gibt es zu.
Der praktische nächste Schritt
Bei wiederholten Erektionsproblemen über mehrere Wochen ist der hausärztliche oder urologische Termin der Schritt mit dem größten Nutzen. Erhoben werden dort üblicherweise Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und je nach Situation der Testosteronwert.
Aus diesem Termin ergibt sich, ob eine Behandlung sinnvoll ist und welche. Diese Auswahl kann eine Webseite nicht treffen, und sie sollte es auch nicht.
Wenn Sie ein frei verkäufliches Produkt ausprobieren möchten, ist dagegen nichts einzuwenden, solange die Erwartung stimmt und die Abklärung nicht dadurch ersetzt wird. Prüfen Sie die Mengenangaben, und legen Sie vorher fest, wie viel Ihnen ein Versuch ohne belegte Wirkung wert ist.
Häufige Fragen
Gibt es einen Potenzmittel-Test von Stiftung Warentest?
Nein. Für diese Produktgruppe existiert kein unabhängiger Warentest. Die Wirkung ließe sich nur in klinischen Studien über Wochen prüfen, und das ist Teil der Arzneimittelzulassung, nicht Aufgabe eines Warentests.
Woher kommen dann die Testsieger-Ranglisten im Netz?
Sie beruhen auf Herstellerangaben, Kundenbewertungen und der Einschätzung des Betreibers, nicht auf einer Messung. Der erste Platz führt in aller Regel zu einem Partnerlink.
Warum wird hier kein verschreibungspflichtiges Präparat empfohlen?
Weil das Heilmittelwerbegesetz in § 10 die Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel untersagt. Eine Rangliste mit Kaufempfehlung wäre Werbung. Unterschiede in Wirkeintritt und Wirkdauer sind Information; die Auswahl trifft die Ärztin oder der Arzt.
Wirken rezeptfreie Potenzmittel überhaupt?
Für L-Arginin und Ginseng gibt es kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen, für Tribulus beim Menschen keinen überzeugenden Beleg. Nahrungsergänzungsmittel brauchen vor dem Verkauf keinen Wirksamkeitsnachweis, und für die Erektionsfähigkeit ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.
Was ist gefährlich an rezeptfreien Produkten aus dem Netz?
In solchen Produkten werden immer wieder nicht deklarierte verschreibungspflichtige Wirkstoffe gefunden. Wer sie einnimmt, weiß weder die Menge noch, ob sie sich mit seinen Medikamenten verträgt. Zusammen mit Nitraten kann der Blutdruck bedrohlich abfallen.
Worauf sollte ich stattdessen achten?
Auf vollständige Mengenangaben pro Tagesdosis, einen Anbieter mit ladungsfähiger Anschrift und darauf, ob die Ursache abgeklärt wurde. Erektionsprobleme sind oft ein früher Hinweis auf Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen.
Quellen
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