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Potenzmittel: was es gibt, was belegt ist und was nicht

Potenzmittel im Überblick: verschreibungspflichtige Wirkstoffe, rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzung, jeweils mit der tatsächlichen Studienlage.

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Worum es in diesem Ratgeber geht

Potenzmittel im Überblick: verschreibungspflichtige Wirkstoffe, rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzung, jeweils mit der tatsächlichen Studienlage. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Drei Kategorien, die ständig vermischt werden

Wer nach Potenzmitteln sucht, bekommt drei völlig verschiedene Produktarten nebeneinander angezeigt. Sie teilen nur die Darreichungsform.

Verschreibungspflichtige PDE-5-Hemmer wie Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil. Wirkung belegt, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bekannt, nur auf Rezept.

Rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke, überwiegend Homöopathika. Frei verkäuflich; für ihre Registrierung ist kein Wirksamkeitsnachweis erforderlich.

Nahrungsergänzungsmittel mit Aminosäuren oder Pflanzenextrakten. Das sind Lebensmittel, keine Arzneimittel, und sie dürfen keine Heilaussagen tragen.

Die Preise dieser drei Gruppen liegen teils dicht beieinander. Die Beweislage nicht.

Verschreibungspflichtige PDE-5-Hemmer haben eine belegte Wirkung und erfordern einen Wirknachweis; rezeptfreie Homöopathika benötigen für die Registrierung keinen Wirksamkeitsnachweis; Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel ohne Heilaussage.
Drei Kategorien, drei völlig unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis.

Was diese Seite nicht tut

Sie nennt keine Bezugsquellen für verschreibungspflichtige Wirkstoffe und gibt keine Dosierungsempfehlungen. Das Heilmittelwerbegesetz untersagt Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gegenüber Laien, und diese Trennung halten wir ein.

Was Sie hier bekommen, ist die Einordnung, mit der das Gespräch in der Arztpraxis kürzer und besser läuft.

Wie die verschreibungspflichtigen Wirkstoffe arbeiten

Bei sexueller Erregung wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid freigesetzt. Das entspannt die Gefäßmuskulatur, mehr Blut strömt ein. Ein Enzym namens Phosphodiesterase-5 baut dieses Signal wieder ab.

PDE-5-Hemmer blockieren dieses Enzym. Das Signal hält länger an. Das ist der gesamte Mechanismus.

Daraus folgt der Punkt, der die meisten Enttäuschungen erklärt: Ohne sexuelle Stimulation passiert nichts. Diese Medikamente erzeugen keine Erektion, sie verstärken eine Reaktion, die ohnehin einsetzt.

Untereinander unterscheiden sie sich vor allem in der Wirkdauer. Sildenafil wirkt einige Stunden, Tadalafil deutlich länger, weshalb die Einnahme dort nicht eng an den Zeitpunkt gekoppelt werden muss.

Die Gegenanzeige, die jeder kennen sollte

PDE-5-Hemmer und Nitrate dürfen nicht zusammen eingenommen werden. Nitrate stecken in Medikamenten gegen Angina pectoris, etwa in Nitroglycerin-Sprays, und in Molsidomin.

Beide senken den Blutdruck über denselben Signalweg. In Kombination kann er lebensbedrohlich abfallen. Das ist eine absolute Gegenanzeige, keine relative Vorsichtsmaßnahme.

Praktisch bedeutet das: Wer ein Notfallspray bei sich trägt und ein Potenzmittel eingenommen hat, muss das dem Rettungsdienst sagen. Bei lang wirksamen Präparaten reicht dieses Zeitfenster über mehr als einen Tag.

Was rezeptfrei erhältlich ist

In der Apotheke stehen vor allem homöopathische Präparate, teils mit erheblichen Werbebudgets. Für die Registrierung solcher Arzneimittel ist in Deutschland kein Wirksamkeitsnachweis erforderlich; geprüft werden Qualität und Unbedenklichkeit.

Das ist keine Randnotiz, sondern beantwortet die häufigste Frage zu diesen Produkten. Wer nach Studien sucht, die ihre Wirkung bei Erektionsstörungen belegen, sucht nach etwas, das für die Zulassung nie verlangt wurde.

Dass viele Anwender dennoch von einer Besserung berichten, hat einen nachvollziehbaren Grund: Erwartungsangst ist bei diesem Beschwerdebild ein häufiger Auslöser. Wer diesen Kreis durchbricht, erlebt eine echte Verbesserung. Die Erklärung liegt dann aber im Kreislauf aus Anspannung und Entspannung.

Daneben gibt es Medizinprodukte, etwa Gele mit lokal wirkenden Substanzen. Eine Zulassung als Medizinprodukt stellt andere, geringere Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis als eine Arzneimittelzulassung.

Nahrungsergänzung: was tatsächlich untersucht ist

L-Arginin ist eine Vorstufe von Stickstoffmonoxid, der Mechanismus ist also plausibel. Es existieren kleine Studien mit bescheidenen Effekten.

Roter Ginseng hat innerhalb dieser Gruppe die vergleichsweise beste Datenlage, wobei auch hier die Untersuchungen klein sind.

Maca wird häufig genannt, doch die Studien betreffen das sexuelle Verlangen, nicht die Erektion selbst. Das sind zwei verschiedene Endpunkte, und in der Werbung wird dieser Unterschied selten gemacht.

Für die meisten übrigen Zutaten in Kombinationspräparaten gibt es beim Menschen keine belastbaren Daten. Das Fehlen von Belegen ist kein Gegenbeweis, aber auch kein Grund, monatlich Geld dafür auszugeben.

Was die Wirkstoffe unterscheidet

Sildenafil wirkt vergleichsweise kurz, in der Größenordnung von vier bis sechs Stunden, und setzt innerhalb einer halben bis einer Stunde ein. Eine fettreiche Mahlzeit verzögert den Eintritt spürbar.

Tadalafil hat eine deutlich längere Halbwertszeit, weshalb von einem Wirkfenster um anderthalb Tage die Rede ist. Der Vorteil ist Planungsfreiheit; der Nachteil ist, dass auch Nebenwirkungen länger anhalten. Zusätzlich gibt es eine niedrig dosierte Tagesvariante, die auch bei gutartiger Prostatavergrößerung eingesetzt wird.

Vardenafil liegt dazwischen und wird seltener verordnet.

Typische Nebenwirkungen ähneln sich: Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, verstopfte Nase, Sodbrennen. Charakteristisch für Tadalafil sind Rücken- und Muskelschmerzen, für Sildenafil eher ein vorübergehender Blaustich im Sehen. Alle sind dosisabhängig, weshalb eine höhere Stärke, die man nicht braucht, das Erlebnis verschlechtert statt es zu verbessern.

Wenn Tabletten nicht wirken

Bei einem Teil der Anwender wirken PDE-5-Hemmer nicht ausreichend. Bevor daraus ein Therapieversagen wird, lohnt ein Blick auf drei häufige Erklärungen.

Erstens die Anwendung: zu früh oder zu spät eingenommen, nach einer schweren Mahlzeit, oder ohne ausreichende Stimulation. Zweitens die Dosis, die ärztlich angepasst werden kann. Drittens die Erwartung: Diese Medikamente machen keine Erektion, sie erleichtern eine.

Bleibt es dabei, gibt es weitere Wege, die ärztlich besprochen werden: Vakuumpumpen und Konstriktionsringe, in bestimmten Fällen eine Schwellkörper-Injektionstherapie, und bei psychischer Komponente eine sexualtherapeutische Begleitung. Diese Optionen sind weniger bekannt, weil sie sich schlechter bewerben lassen.

Wenn eine psychische Ursache im Spiel ist

Ein einfacher Hinweis hilft bei der Einordnung: Treten die Beschwerden in allen Situationen auf oder nur in manchen? Wer morgens oder allein eine Erektion hat, aber mit Partnerin oder Partner nicht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine rein körperliche Ursache.

Der typische Mechanismus ist die Erwartungsangst: Ein missglückter Versuch erzeugt Anspannung, und die Anspannung macht den nächsten Versuch schwerer. Der Kreis verstärkt sich selbst, und er reagiert kaum auf ein Präparat.

Dafür gibt es wirksame Wege, von sexualtherapeutischer Beratung bis zu konkreten Übungen. Manchmal wird eine Tablette dabei vorübergehend eingesetzt, um den Kreis zu durchbrechen, und danach wieder abgesetzt. Das ist ein legitimer Plan und etwas anderes als eine Dauerlösung.

Warum es keinen Testsieger gibt

Ranglisten mit Testsiegern findet man reichlich. Einen unabhängigen Vergleichstest von Potenzmitteln, bei dem ein Institut Produkte im Labor geprüft und benotet hätte, gibt es nicht.

Was es gibt, sind Redaktionsempfehlungen mit Provisionslinks. Ein Hinweis darauf, welches Labor welchen Parameter gemessen hat, fehlt fast immer. Ohne Messwert ist „Testsieger“ ein Wort, keine Aussage.

Das ist kein Vorwurf an einzelne Redaktionen, sondern die Beschreibung eines Geschäftsmodells. Für Sie bedeutet es nur: Eine Rangliste ersetzt hier nicht die Frage, welcher Kategorie ein Produkt überhaupt angehört.

Wie häufig Erektionsstörungen sind

Erektionsstörungen sind mit dem Alter zunehmend häufig und in jeder Altersgruppe deutlich verbreiteter, als das Schweigen darüber vermuten lässt. Genau dieses Schweigen ist der Grund, warum viele Männer glauben, ein Einzelfall zu sein.

Zu unterscheiden ist zwischen gelegentlichen Aussetzern und einer anhaltenden Störung. Dass es einmal nicht klappt, nach Alkohol, unter Stress, bei Müdigkeit oder in einer neuen Situation, ist normal und kein Befund.

Von einer behandlungsbedürftigen Störung wird gesprochen, wenn die Beschwerden über mehrere Monate bestehen und belasten. Diese Zeitspanne ist auch der Grund, warum ein einzelner misslungener Abend kein Anlass für eine Selbstmedikation ist.

Was hinter den Beschwerden stecken kann

Gefäße. Die häufigste organische Ursache. Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen schädigen dieselben Gefäße, die für eine Erektion gebraucht werden.

Medikamente. Bestimmte Blutdrucksenker, viele Antidepressiva und Finasterid können Erektion oder Libido beeinträchtigen. Das ist ein häufig übersehener Punkt und ein Grund, die eigene Medikamentenliste anzusprechen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.

Hormone. Ein Testosteronmangel wirkt vor allem auf das Verlangen. Er ist seltener die alleinige Ursache, als die Werbung für Booster nahelegt.

Nerven. Nach Operationen im kleinen Becken, bei Diabetes mit Nervenschädigung oder bei neurologischen Erkrankungen.

Psychische Faktoren. Besonders bei jüngeren Männern und bei Beschwerden, die nur in bestimmten Situationen auftreten.

In der Praxis kommen mehrere davon zusammen. Deshalb beginnt die Abklärung mit einem Gespräch und nicht mit einem Rezept.

Der Schritt, der am meisten bringt

Er hat mit Tabletten wenig zu tun. Eine neu aufgetretene Erektionsstörung kann ein frühes Zeichen einer Gefäßerkrankung sein. Die Gefäße im Penis sind enger als die Herzkranzgefäße, weshalb sich eine beginnende Arteriosklerose dort oft zuerst zeigt, teils Jahre vor Herzbeschwerden.

Wer sich ein Präparat über einen Graumarkt besorgt, umgeht genau diese Abklärung. Die Erektion bessert sich vielleicht, und das eigentliche Problem bleibt unentdeckt. Das ist der stärkste Einwand gegen den Kauf ohne Rezept, stärker noch als das Fälschungsrisiko.

Zur Abklärung gehören ein Gespräch, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und je nach Situation der Testosteronwert. Das dauert wenig und beantwortet mehr, als jede Rangliste kann.

Was ohne Rezept wirklich hilft

Rauchstopp. Auf die Gefäße wirkt er stärker als jedes rezeptfreie Präparat, und der Effekt ist innerhalb von Monaten spürbar.

Gewicht und Bewegung. Beide verbessern Durchblutung und Hormonlage zugleich.

Weniger Alkohol. Akut dämpft er die Reaktion, langfristig stört er den Schlaf.

Beckenbodentraining. Es ist durch kontrollierte Studien besser belegt als die meisten Nahrungsergänzungsmittel und kostet nichts. Erwähnt wird es selten, weil sich damit nichts verdienen lässt.

Häufige Fragen

Welche Potenzmittel gibt es?

Drei Kategorien: verschreibungspflichtige PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil mit belegter Wirkung, rezeptfreie Arzneimittel wie Homöopathika, für deren Registrierung kein Wirksamkeitsnachweis nötig ist, und Nahrungsergänzungsmittel, die als Lebensmittel keine Heilaussagen tragen dürfen.

Gibt es rezeptfreie Potenzmittel, die wirken?

Kein rezeptfreies Präparat erreicht die Wirkung eines PDE-5-Hemmers. Bei L-Arginin und rotem Ginseng existieren kleine Studien mit bescheidenen Effekten. Für homöopathische Präparate ist ein Wirksamkeitsnachweis zur Registrierung nicht erforderlich.

Wirken Potenzmittel ohne Erregung?

Nein. PDE-5-Hemmer verlängern ein Signal, das erst bei sexueller Stimulation entsteht. Ohne Erregung passiert nichts. Das ist die häufigste Ursache für die Einschätzung, ein Mittel habe nicht gewirkt.

Welche Kombination ist gefährlich?

PDE-5-Hemmer und Nitrate, etwa Nitroglycerin-Spray bei Angina pectoris oder Molsidomin. In Kombination kann der Blutdruck lebensbedrohlich abfallen. Das ist eine absolute Gegenanzeige.

Gibt es einen Potenzmittel-Testsieger?

Nein. Einen unabhängigen Vergleichstest mit Laborprüfung und Benotung gibt es in dieser Kategorie nicht. Die Ranglisten im Netz sind Redaktionsempfehlungen mit Provisionslinks, meist ohne Angabe, welches Labor was gemessen hat.

Was sollte ich zuerst tun?

Ärztlich abklären lassen, besonders wenn die Beschwerden neu sind. Eine neu aufgetretene Erektionsstörung kann ein Frühzeichen einer Gefäßerkrankung sein, weil die Gefäße im Penis enger sind als die Herzkranzgefäße.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Potenz-Magazin dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.