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Erektionsstörung: was tun? Die ersten Schritte und wann es eilig ist

Bei einer Erektionsstörung hilft eine klare Reihenfolge: einordnen, Warnzeichen kennen, Medikamente prüfen, Arzttermin vorbereiten und Risikofaktoren angehen. Was belegt ist und was warten kann.

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Worum es in diesem Ratgeber geht

Bei einer Erektionsstörung hilft eine klare Reihenfolge: einordnen, Warnzeichen kennen, Medikamente prüfen, Arzttermin vorbereiten und Risikofaktoren angehen. Was belegt ist und was warten kann. Das hier ist eine informative Einordnung, keine medizinische Beratung und kein Ersatz für das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Wir benennen offen, was die Studienlage zeigt, und was nicht.

Die kurze Antwort

Eine Erektion, die einmal nicht klappt, ist noch keine Erkrankung. Hält das Problem über Wochen an, lohnt sich ein Termin in der hausärztlichen oder urologischen Praxis, und zwar nicht nur wegen der Erektion. Erektionsstörungen hängen eng mit Herz und Gefäßen, Blutzucker und Blutdruck zusammen.

Diese Seite beschreibt die Reihenfolge, in der Sie vorgehen können. Die Ursachen im Einzelnen stehen im Beitrag zu Ursachen und Hilfe.

Schritt 1: Einordnen, was los ist

Halten Sie zwei Wochen lang kurz fest, wann das Problem auftritt. Kommt es plötzlich oder schleichend? Klappt es bei der Selbstbefriedigung oder morgens beim Aufwachen, aber nicht mit der Partnerin oder dem Partner? Kommt die Erektion gar nicht, oder geht sie verloren?

Solche Beobachtungen ersetzen keine Diagnose. Sie helfen aber im Gespräch. Morgendliche Erektionen und ein plötzlicher Beginn in einer belastenden Phase sprechen eher für eine seelische Mitursache, ein schleichender Beginn eher für eine körperliche. Oft kommt beides zusammen, weil ein körperliches Problem Versagensangst auslöst.

Schritt 2: Warnzeichen kennen

Einige Situationen dulden keinen Aufschub. Brustschmerz, Atemnot oder Druck auf der Brust beim Sex oder bei Belastung sind ein Notfall, rufen Sie die 112 an. Eine schmerzhafte oder anhaltende Erektion über vier Stunden muss sofort behandelt werden, sonst droht ein Schaden am Schwellkörper.

Zeitnah, also innerhalb weniger Tage, gehören in die Praxis: ein plötzlicher Beginn nach einer Verletzung im Becken, neue Taubheit im Genitalbereich oder Probleme beim Wasserlassen, eine neue Verkrümmung oder Verhärtung des Penis, starker Durst mit häufigem Wasserlassen.

Schritt 3: Medikamente prüfen, aber nicht absetzen

Eine ganze Reihe von Arzneimitteln kann die Erektion beeinträchtigen. Dazu gehören bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck, Antidepressiva und Mittel gegen Prostatabeschwerden. Schreiben Sie auf, was Sie nehmen und seit wann, auch Rezeptfreies und Nahrungsergänzungsmittel.

Setzen Sie ein verordnetes Mittel nicht eigenmächtig ab. Ein unbehandelter Bluthochdruck schadet den Gefäßen, und das Problem kann auch andere Ursachen haben. Oft gibt es eine Alternative, die Ärztin oder Arzt prüfen kann.

Schritt 4: Den Arzttermin vorbereiten

Sie können ohne Überweisung zur Hausärztin, zum Hausarzt oder in die Urologie gehen. Die europäische Urologie-Leitlinie beschreibt, was dort üblich ist: das Gespräch über Beschwerden und Vorerkrankungen, eine körperliche Untersuchung mit Blutdruck und Blutuntersuchungen. Dazu zählen Nüchternblutzucker oder HbA1c, die Blutfette und ein morgendlicher Testosteronwert.

Das Thema anzusprechen, kostet viele Männer mehr Überwindung als die Untersuchung selbst. Ein einfacher Satz reicht: Seit einigen Wochen klappt es mit der Erektion nicht mehr, ich möchte das abklären lassen. In der Praxis ist das ein alltägliches Anliegen.

Sechs Schritte: zwei Wochen beobachten, Warnzeichen prüfen, Medikamente auflisten, Termin mit Blutdruck und Blutwerten vereinbaren, Risikofaktoren angehen und über die Behandlung sprechen.
Bei Brustschmerz, Atemnot oder einer Erektion über vier Stunden nicht abwarten.

Warum sich die Abklärung auch für das Herz lohnt

In einer Metaanalyse von 25 Studien mit knapp 155.000 Teilnehmern hatten Männer mit Erektionsstörung ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer ohne. Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit lag um 59 Prozent höher, das für einen Schlaganfall um 34 Prozent.

Das sind Beobachtungsdaten und relative Zahlen. Sie sagen nicht, dass jeder Betroffene herzkrank ist, und beweisen nicht, dass die Erektionsstörung die Ursache ist. Sie sind aber ein guter Grund, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette prüfen zu lassen, wenn das länger nicht passiert ist.

Schritt 5: Risikofaktoren angehen

Was Gefäßen hilft, hilft oft auch der Erektion. Eine Metaanalyse von vier randomisierten Lebensstilstudien mit 597 Teilnehmern fand eine Verbesserung im IIEF-5, einem Fragebogen zur Erektionsfähigkeit mit maximal 25 Punkten, um durchschnittlich 2,4 Punkte. Das ist ein messbarer, aber begrenzter Effekt und lässt sich nicht auf jeden Einzelfall übertragen.

Praktisch heißt das: mit dem Rauchen aufhören, regelmäßig bewegen, Übergewicht abbauen, Alkohol begrenzen und auf ausreichend Schlaf achten. Das braucht Wochen bis Monate. Beckenbodentraining ist eine weitere Möglichkeit, die Sie ohne Risiko ausprobieren können. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag.

Schritt 6: Über Behandlung sprechen

Für die Erektionsstörung selbst gibt es wirksame verschreibungspflichtige Mittel und bei Bedarf weitere Verfahren. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Ursache, Vorerkrankungen und anderen Medikamenten ab. Wer Nitrate gegen Angina Pectoris nimmt, darf bestimmte Wirkstoffe nicht anwenden. Auch deshalb gehört die Entscheidung in die Praxis.

Bei rezeptfreien Mitteln lohnt sich ein nüchterner Blick. Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 15 Studien und 1.000 Männern fand vor einem Hintergrund allgemeiner Unwirksamkeit der meisten Nahrungsergänzungen nur für wenige Ansätze einen Effekt, am ehesten für L-Arginin. Sind seelische Belastung, Angst oder die Beziehung ein wichtiger Teil des Problems, kann eine Paar- oder Sexualberatung mehr bewirken als jede Tablette.

Was Sie besser lassen

Kaufen Sie keine Potenzmittel aus unklaren Onlineshops. In einer Auswertung von Warnungen der US-Arzneimittelbehörde FDA waren 353 beanstandete Nahrungsergänzungsmittel für die sexuelle Leistungsfähigkeit vermarktet, und in fast der Hälfte davon fand sich nicht deklariertes Sildenafil. Wer Nitrate nimmt und das nicht weiß, kann dadurch in echte Gefahr geraten. Warten Sie außerdem nicht monatelang, in der Hoffnung, dass es von selbst besser wird, wenn die Beschwerden anhalten.

Häufige Fragen

Ab wann sollte ich wegen Erektionsproblemen zum Arzt?

Wenn das Problem über einige Wochen regelmäßig auftritt, plötzlich beginnt oder Sie belastet. Mit Brustschmerz, Atemnot oder einer Erektion über vier Stunden sofort.

Zu wem gehe ich zuerst?

In die hausärztliche oder urologische Praxis. Eine Überweisung brauchen Sie für den ersten Termin bei der Hausärztin oder dem Hausarzt nicht, und auch in der Urologie meist nicht.

Was wird untersucht?

Üblich sind Gespräch, körperliche Untersuchung und Blutdruck sowie Blutwerte wie Blutzucker oder HbA1c, Blutfette und ein morgendlicher Testosteronwert.

Kann die Störung von selbst wieder weggehen?

Wenn Stress oder eine akute Belastung dahinterstecken, oft ja. Halten die Beschwerden an, sollten Sie sie abklären lassen, weil auch Gefäße, Blutzucker oder Medikamente beteiligt sein können.

Quellen

Weiterlesen

Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf Potenz-Magazin dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder bei anhaltenden Beschwerden. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.